Artikel: Zwischen Bußgesinnung und Strafrecht

von Alexander Grimm

Zwischen Bußgesinnung und Strafrecht. Die Ahndung von Missetaten in Lebensbeschreibungen ottonisch-salischer Reichsbischöfe

Als Bischof Meinwerk von Paderborn im 11. Jahrhundert während einer Inspektionsreise durch sein Bistum auf einem der kirchlichen Güter einen ungepflegten, mit Brennnesseln und anderen Unkräutern übersäten Garten entdeckt, greift er zu drastischen Maßnahmen. „Sofort ließ er der Meiersfrau ihre eitlen Kleider ausziehen und gab Weisung, sie so lange durch den ganzen Garten zu schleifen, bis das hochgeschossene Unkraut dem Erdboden gleichgemacht sei.“1 So berichtet es der Autor seiner Vita. Für ihn scheint diese rigorose Bestrafung nicht im Widerspruch zu christlichen Idealen wie der Nächstenliebe zu stehen, an denen sich Bischöfe und insbesondere deren hagiographische Lebensbeschreibungen orientieren. Wie ist das zu erklären? Wie rechtfertigen die Autoren der Viten ottonisch-salischer Reichsbischöfe die umfangreiche Straftätigkeit ihrer Helden? Zum Text

Artikel: “Ein Gewinn für das Deutschtum“

von Hanno Jochemich

“Ein Gewinn für das Deutschtum“ – Das Einbürgerungsverfahren in Bremen zur Zeit der Weimarer Republik 1

Dieser Aufsatz behandelt einen historischen Aspekt der Bremer Ausländerpolitik – es geht um die Einbürgerung zur Zeit der Weimarer Republik. Die Quellenbasis setzt sich aus detaillierten Fallakten derjenigen Menschen, die Anträge zur Einbürgerung gestellt hatten, sowie aus unterschiedlichen Korrespondenzen der Verwaltung zusammen. Es wird dadurch möglich, die Bremer Einbürgerungspraxis der 1920er Jahre zu rekonstruieren. Wie agierten politische Verantwortliche und Beamte? Wie begründeten sie die Bewilligung oder Ablehnung von Einbürgerungsanträgen? Wer war aus Sicht der Behörden „ein Gewinn für das Deutschtum“? Es zeigen sich Stereotype und Kontinuitäten der Bremer Behörden – auch über das Jahr 1933 hinaus. Zum Text

Artikel: “Weltfremdheit feiert Orgien”?!

von Theresa Hertrich, Jasmin Sommer und Nils Steffen

“Weltfremdheit feiert Orgien”?! Der Sittlichkeitsskandal Machan-Kolomak 1927 in der Presse

1927 rückte ein Sittlichkeitsskandal die Hansestadt Bremen ins Rampenlicht der reichsweiten Öffentlichkeit. Während in anderen Städten spektakuläre Mord- oder politische Strafprozesse für Aufsehen sorgten, wurde im Fall Kolomak vor dem Landgericht Bremen die durch Krieg und Inflationszeit veränderte Moral zwischen den Geschlechtern verhandelt. Am Anfang der Geschichte stand eine literarische Sensation, ein Bestseller der 1920er Jahre. Im Dezember 1926 erschien im katholischen Verlag Herder unter dem Titel „Vom Leben getötet“ das anonyme Tagebuch eines 16-jährigen Mädchens, das massive Vorwürfe gegen die (Zwangs)behandlung geschlechtskranker junger Mädchen und Frauen enthielt. Es deckte nach Meinung vieler KritikerInnen auf, welchen Gefahren junge lebenslustige Mädchen in der Großstadt ausgesetzt waren und wie sie auf die vermeintlich schiefe Bahn geraten konnten. Bremen wurde als Ort des Geschehens und Lisbeth Kolomak als Verfasserin identifiziert. Zum Text

Artikel – Geometrie für Germanien

von Björn Kastens

Das Werk des 1959 verstorbenen Göttinger Honorarprofessors für Mathematik, Didaktik der exakten Wissenschaften und Pädagogik, Studiendirektor Dr. Walther Lietzmann1, ist bis in jüngste Zeit überaus positiv rezipiert worden: Zuletzt erschien 2008 in der Zeitschrift „Der mathematische und naturwissenschaftliche Unterricht“ ein Aufsatz von Arno Spangenberg, in dem Lietzmann als „führender Didaktiker in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen“2 gewürdigt wird. Das Verhältnis Lietzmanns zum Nationalsozialismus blendet Spangenberg weitgehend aus – allenfalls gibt er Lietzmann eine passive, lediglich reagierende Rolle.3 1980 stilisierte Ulrich Popplow, der wie Spangenberg Lehrer an Lietzmanns ehemaliger Schule war, Lietzmann gar zu einem „Zivilisten in uniformierter Zeit“4 und zum Hoffnungsträger gegen den Nationalsozialismus.5 Zum Text

Rezension: Geldmenge, Warenmenge, Inflation

Rezensiert für bonjour.Geschichte von: Ulf Iversen

Geldmenge, Warenmenge, Inflation. Divergenzen frühmittelalterlicher Wirtschaftstheoreme, hg. v. Mark Feuerle, Arno Borstelmann (Schriften der Melchior-Goldast-Gesellschaft. Reihe I, Band 1), Hannover 2010 – ISBN: 978-3-940970-70-1 Zum Text